Gleichwürdigkeit in Organisationen
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Gleichwürdigkeit in Organisationen

‚Klare Entscheidungen treffen, dabei auch Unpopuläres durchsetzen und zu einem zeitgemäßen Autoritätsverständnis finden.‘
‚Führung ist der entscheidende Faktor, wenn es darum geht, sinnvolle und erfolgreiche Beziehungen aufzubauen und zu entwickeln.‘
Diese Sätze entstammen nicht der Führungsliteratur, sondern dem Buch ‚Leitwölfe sein – liebevolle Führung in der Familie‘ von Jesper Juul.

Jesper Juul war Familientherapeut. Mit seinen Büchern hat er zahllosen Eltern eine wertvolle Hilfestellung zur Erziehung ihrer Kinder in die Hand gegeben. Darüber hinaus hat er Wegweiser zur Entfaltung der eigenen, reifen, erwachsenen Persönlichkeit und zu dem sich daraus entwickelnden Erziehungs- und Führungsstil aufgestellt.

Juul hat über die Beziehung zwischen Kindern und Eltern geschrieben. Es ist aber durchaus sinnvoll, seine Bücher auch im Hinblick auf Aspekte der Entwicklung von Führungskräften in Unternehmen zu lesen. 

Eine seiner Grundaussagen ist, dass es für eine authentische und starke Führungsarbeit eine Auseinandersetzung mit den eigenen Werten braucht.

Führung baut auf dem Fundament der eigenen Werte auf. Dieses Fundament bildet sowohl den Halt für die eigenen Handlungen und Entscheidungen als auch den Halt und die Orientierung, die das Team, das Unternehmen, die Organisation einer Führungskraft brauchen.
Authentizität, Integrität, Verantwortung und Verlässlichkeit wachsen aus der Arbeit an den eigenen Wertvorstellungen und dem daraus abgeleiteten konsistenten Verhalten als Führungspersönlichkeit.

Juul führte in seinen Büchern einen Wert ein, der für die Beziehung zwischen Führungskräften und Mitarbeitern sehr hilfreich ist, einen Wert, den er Gleichwürdigkeit nennt.

Gleichwürdigkeit heißt, dass ich den anderen genauso wie mich selber in seiner ganzen menschlichen Würde mit all seinen Bedürfnissen, Wünschen, Vorstellungen und Ambitionen wahrnehme und ernst nehme. Das bedeutet nicht, dass ich in jeder Situation notwendigerweise auf all das eingehen muss, was der andere möchte. Das wäre unmöglich. Aber ich sollte mir der Würde des anderen jederzeit bewußt sein und sie in meinen Überlegungen, Äußerungen und Handlungen berücksichtigen.

Gleichwürdigkeit ist nicht gleichzusetzen mit Gleichheit oder Gleichberechtigung. Mitarbeiter in Unternehmen sind nicht gleichberechtigt. Entsprechend ihrer Zuständigkeiten gibt es Mitarbeiter, die berechtigt sind, Geldmittel freizugeben, andere die berechtigt sind, Waren einzukaufen, Verträge abzuschließen, die Produktion zu steuern und vieles mehr. All diese Rechte werden sinnvollerweise nicht gleich über alle Mitarbeiter einer Organisation verteilt. So gibt es Personen, die Kraft ihrer Rolle im Unternehmen auch mehr oder weniger Macht haben. 
Die Würde eines jeden Menschen in der Organisation ist aber gleich, egal ob CEO, Teamleiter, Produktionsmitarbeiter oder Hilfskraft. 

Führungsarbeit stellt uns oftmals vor große Herausforderungen, weil sie uns persönlich betrifft und weil sie Veränderungen auf einer tiefen Ebene unseres Seins erfordert. Gleichwürdigkeit sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Sie stellt aber bei genauerer Betrachtung auch in unserer Zeit immer noch offene Fragen an uns, deren Beantwortung unsere Beziehungen in Organisationen und Familien bereichern wird.